„Courage | Zeit zu Reden“ nimmt sich Zeit für Themen, die viele Menschen bewegen, aber oft wenig Platz in der öffentlichen Diskussion bekommen. Die Sendung gibt Menschen Raum, ihre Geschichten zu erzählen, und lädt uns ein, unsere Gesellschaft gemeinsam inklusiver und menschlicher zu gestalten.
Persönliche Einblicke ins Leben mit Sehbehinderung
Gleich zu Beginn nehmen Evelyn und Josef die Zuschauerinnen und Zuschauer mit in ihre persönliche Geschichte: Wie fühlt es sich an, wenn die Sehkraft plötzlich schwindet – oder wenn man nach einer Operation gar nichts mehr sieht? Dabei wird spürbar, wie unterschiedlich ihre Wege sind und wie wichtig es ist, in dieser Zeit nicht alleine zu sein.
Sie schildern Momente, in denen der Alltag schwerfällt – etwa beim Einkaufen, im Gedränge der Stadt oder wenn andere Menschen unachtsam sind und im Gehen nur aufs Handy schauen. Gleichzeitig erzählen sie aber auch von Situationen, in denen Behinderung plötzlich keine Rolle spielt: bei Musik, bei Treffen mit Freundinnen und Freunden und überall dort, wo echtes Miteinander entsteht.
Selbstständigkeit, Hilfsmittel und Mut
Ein großes Thema im Gespräch ist die Frage, wie viel Selbstständigkeit trotz Sehbehinderung möglich ist. Evelyn erzählt von Menschen, die sie im BSVS kennengelernt hat – blinde und sehbehinderte Personen, die kochen, waschen, Sport treiben und ihren Alltag mit beeindruckender Selbstverständlichkeit meistern.
Josef spricht darüber, wie wichtig es ist, Hilfe annehmen zu lernen, ohne die eigene Selbstständigkeit zu verlieren, und welche Rolle moderne Hilfsmittel dabei spielen. Vom Smartphone mit Sprachausgabe über sprechende Küchenwaagen bis hin zu Screenreader und Braillezeile: Diese Technik öffnet Türen – gerade auch dann, wenn man alleine lebt und den Alltag gut organisieren möchte.
Unterwegs in Salzburg: Barrieren und gute Wege
Sehr anschaulich wird es, wenn die beiden erzählen, wie sie sich im öffentlichen Raum bewegen – mit Langstock, Navigations- und Ortungs-Apps oder manchmal auch mit Begleitpersonen. Man spürt, wie viel Mut es kosten kann, die eigene Behinderung sichtbar zu machen, und wie befreiend es zugleich sein kann, sich sicher zu bewegen und Wege alleine zu bewältigen.
Auch die Stadt Salzburg selbst spielt im Gespräch eine wichtige Rolle: Es gibt vieles, was Mut macht – etwa die gute Zusammenarbeit mit der Stadt, den Behindertenbeirat und Projekte wie die neuen sprechenden Linienansagen in den Bussen. Gleichzeitig benennen Evelyn und Josef ehrlich, wo Barrieren bleiben, etwa bei modernen digitalen Systemen wie Bankomat- oder Zahlterminals und Nummernautomaten, die für blinde Menschen kaum nutzbar sind.
Der BSVS als Ort des Ankommens
Besonders berührend sind jene Momente, in denen deutlich wird, wie wichtig der BSVS als Ort des Ankommens ist. Viele Menschen kommen zu uns, wenn die Verzweiflung groß ist – weil sich plötzlich alles verändert hat und nichts mehr so funktioniert wie früher.
Im Interview wird spürbar, wie viel der Verband auffängt: mit Sozialberatung, psychologischer Unterstützung, Hilfsmittelberatung, Freizeit- und Kulturangeboten, Fahrdiensten und Gruppen, in denen neue Kontakte und Freundschaften entstehen. Dabei geht es nicht nur um praktische Hilfe, sondern auch um das Gefühl: „Du bist nicht alleine – andere sind diesen Weg schon gegangen, und du kannst von ihnen lernen.“
Ein Wunsch an die Gesellschaft
Am Ende des Gesprächs richten Evelyn und Josef einen herzlichen Wunsch an die Gesellschaft. Sie wünschen sich mehr Sichtbarkeit für den Blinden- und Sehbehindertenverband, mehr Offenheit und weniger vorschnelle Annahmen darüber, was blinde und sehbehinderte Menschen können.
Vor allem aber wünschen sie sich mehr Miteinander: hinsehen statt wegsehen, nachfragen statt urteilen, Hilfe anbieten, ohne zu bevormunden.
Wer das Interview hört, spürt schnell: Hinter dem BSVS stehen Menschen mit Geschichten, Fragen, Sorgen und Hoffnungen. Genau für sie sind wir da – damit aus Verunsicherung wieder Zuversicht werden kann und ein gutes Leben mit Sehbehinderung in Salzburg möglich ist.

